Das Prognosebild der Banken für 2016 zeigt: Die meisten Devisenexperten rechnen damit, dass sich der Euro bei 1,10 Franken einpendeln wird. Die Vorhersagen der Komfortzonen-Prognostiker haben jedoch einen wunden Punkt. Sie basieren darauf, dass es den Zentralbanken weiterhin gelingen wird, die Schwankungen an den Märkten gering zu halten. Das dürfte schwierig werden, weil die Königen der Volatilitäts-Unterdrückung der letzten Jahre, die US-Notenbank (Fed), dabei ist die Zinsen zu erhöhen.

Sollte es zu einem Rückgang der Risikobereitschaft kommen, beispielsweise durch einen Absturz an den Aktienmärkten oder einem Crash von US-Hochzinsanleihen, würde der als sichere Hafen wahrgenommene Schweizer Franken voraussichtlich profitieren. Auch die prekäre Lage im Nahen Osten, die Furcht vor einem Euro-Referendum in Finnland (Fixit) sowie die schwelende Krise in Griechenland sprechen für eine Flucht in den Franken.
Spekulationen schießen ins Kraut, wonach die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Ankaufprogramm von Staatsanleihen erneut verlängern wird. Der jüngste Ölpreisabsturz, der die Inflation im Euroraum noch einmal dämpfen wird, dürften sich Draghi und Co. nicht nehmen lassen, um den Einstieg in eine gemeinsame Schuldenunion voranzutreiben. Je mehr Anleihen die EZB kauft, um so mehr müssen solide wirtschaftende Länder wie Deutschland, Österreich und die Niederlande für die in Südeuropa angehäuften Schuldenberge bei der nächsten Krise in die Bresche springen.
Fazit:
Für den Euro wird 2016 aufgrund der zunehmenden Unsicherheit ein schwieriges Jahr. 2017 sieht es besser aus. Sollten die Franzosen den reformfreundlichen Sarkozy im Frühjahr 2017 erneut zum Präsidenten wählen, wäre es mit der von Frankreich auf Südeuropa ausgedehnten Larifari-Politik vorbei. Wachstum und Inflation im Euroraum zögen jeweils auf 2% an. Die EZB müsste von den Käufen von Staatsanleihen und ihrem Euro-Aufweichungskurs abrücken.