Legt man die Entwicklungen der Devisenreserven und des EUR/CHF-Kurses übereinander, zeigt sich, dass sich die SNB zwischen April und Oktober 2016 etwa 55 Milliarden Franken mit ihrer Druckerpresse macht, um den Euro über 1,08 Franken zu halten. Dann kommt es zu einem Taktikwechsel. Man lässt den Euro auf 1,07 Franken gewähren, muss dafür aber in zwei Monaten eine recht hohe Summe von 20 Milliarden Franken in die Hand nehmen.
Steigende Devisenreserven sind ein klares Indiz dafür, dass der Druck größer wird. Der Devisenmarkt will einen schwächeren Euro gegen den Franken sehen, weil die Schweiz nicht nur in puncto Stabilität und Schulden der Eurozone den Rang abläuft. Beim Wirtschaftswachstum ernten die Schweizer nun die Früchte ihrer Hartwährungs-Rosskur.

Gemäß Konjunkturprognosen der Berner Regierung wird die Schweizer Wirtschaft 2017 zum ersten Mal seit der Aufhebung der Euro-Stützgrenze bei 1,20 Franken stärker wachsen als die Eurozone. Man rechnet mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,8%. Für die Eurozone erwarten Ökonomen 1,4%.
Es ist schleierhaft, warum sich der Währungsblock nicht stärker an der Schweiz orientiert. Dort haben deutschsprachige, französisch- und italienisch sprechende Bürger eine perfekte Schablone für die Eurozone geschaffen. Man müsste es im Grunde genommen nur kopieren, so wie die Schuldenbremse, die ja inzwischen selbst der französische Präsidentschaftsanwärter Fillon den Schweizern nachmachen will.
Die deutsche Regierung verkompliziert stattdessen die Finanzarchitektur mit einem nie dagewesenen Kontrollwahn, den man auf alle Bürger der Eurozone ausüben möchte. Frankreich will den Währungsblock vor Freihandel abschotten. Auch das passt nicht zum Schweizer Erfolgsmodell. Italien lässt es schleifen. Die italienische Wirtschaftsleistung ist heute auf dem selben Stand wie im Jahr 2000.